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Alltag

Offener Brief an die Gemeinden und deren Vertretungen sowie Unterstützende

Offener Brief an die Gemeinden und deren Vertretungen sowie Unterstützende

Offener Brief an die Gemeinden und deren Vertretungen

Die Unsichtbaren sichtbar machen

Liebe Gemeinden,

wir leben in einer Welt, in der die Not der Menschen immer sichtbarer wird, während gleichzeitig viele von uns versucht sind, wegzuschauen. Die Bibel jedoch fordert uns auf, die Unsichtbaren sichtbar zu machen, jene, die am Rand unserer Gesellschaft stehen und unter Armut, Krankheit, Einsamkeit oder Ausgrenzung leiden. Gott steht an der Seite der Armen. Wer ihnen hilft, ehrt nicht nur Gott, sondern auch sich selbst.

Die frühe Christenheit machte die Armenfürsorge zu einem zentralen Anliegen. Inspiriert durch Jesu Botschaft lebten seine Jüngerinnen und Jünger ein radikales Gottvertrauen, das sich in tätiger Liebe zeigte. Besitzverzicht war kein Selbstzweck, sondern diente den Bedürftigen. Jesus selbst wandte sich vor allem den „kleinen Leuten“ zu: den Handwerkern, den Fischern, den Zolleintreibern und den Menschen am unteren Rand der Gesellschaft.

Auch die Hirten in der Weihnachtsgeschichte, einfache Menschen voller Hoffnung erinnern uns an den jungen David, der in Bethlehem gesalbt wurde. Diese Menschen, die für die Mächtigen oft unsichtbar waren, stehen im Mittelpunkt von Gottes Botschaft.

Die Botschaft Jesu ist klar: „Selig seid ihr Armen, denn das Reich Gottes ist euer (Lukas 6,20). Doch diese Zusage ist kein Freibrief, die Not zu ignorieren. Im Gegenteil: Wer Arme schlecht behandelt, so sagt es das Alte Testament, muss mit Gottes Zorn rechnen (2. Mose 22,21–23). Wer hingegen die Hungernden speist, die Nackten kleidet, die Kranken besucht oder die Fremden aufnimmt, der lebt den Glauben in Tat und Wahrheit.

Liebe Gemeindemitgliederinnen und Mitglieder, 

auch heute sind die Unsichtbaren unter uns. Es sind die Rentnerinnen und Rentner, die von kleinen Renten leben müssen. Es sind alleinerziehende Eltern, die um das Überleben ihrer Kinder kämpfen. Es sind Geflüchtete, die vor Krieg und Krisen fliehen, und es sind Menschen, die keinen bezahlbaren Wohnraum finden. Zu ihnen gehören die Kranken, die Arbeitslosen, die Einsamen und die Kinder, die in Armut aufwachsen.

Der neue Armutsbegriff „@Meks“ (materiell, emotional, krankheitsbedingt, sozial) macht deutlich, wie vielfältig und komplex Armut in unserer heutigen Zeit ist. In Deutschland sind über 21 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Steigende Mieten, hohe Energiekosten und teure Lebensmittel verschärfen diese Not täglich.

Viele von uns fühlen sich angesichts dieser Herausforderungen ohnmächtig. Die Not scheint zu groß, die Mittel zu klein, die Zeit zu knapp. Manche resignieren, andere verzweifeln. Doch die Bibel erinnert uns: Armut ist nicht gottgegeben, und sie ist kein Versagen der Betroffenen. Sie ist eine Herausforderung an uns alle, Verantwortung zu übernehmen.

Die Bibel spricht auch diejenigen an, die im Überfluss leben. „Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt“(Prediger 5,9), heißt es, und: „Die Fülle lässt den Reichen nicht schlafen“ (Prediger 5,11). Reichtum bringt Verantwortung mit sich. Wer viel hat, ist gerufen, den Bedürftigen zu helfen – nicht aus Mitleid, sondern aus Gerechtigkeit und Liebe. Denn wer dem Armen hilft, ehrt Gott (Sprüche 14,31). Umgekehrt gilt: Wer die Not der anderen ignoriert, entfernt sich von Gott.

Liebe Gemeindemitgliederinnen und Mitglieder, 

die „Option für die Armen“, die Jesus uns vorgelebt hat, ist heute so aktuell wie damals. Die Werke der Barmherzigkeit, Hungernde zu speisen, Fremde aufnehmen, Kranke zu besuchen, gelten nicht nur der eigenen Gemeinde, sondern allen Menschen. Es geht nicht darum, mit frommen Worten zu trösten, sondern mit Taten zu helfen. Es geht darum, die Unsichtbaren sichtbar zu machen, indem wir ihnen zuhören, sie unterstützen und ihre Würde achten.

Ich sehe in unserem Umfeld viele, die sich engagieren: Christinnen und Christen, Ehrenamtliche, Nachbarschaftsinitiativen und viele mehr. Sie spenden Zeit, Kraft und Geld, um der wachsenden Not zu begegnen. Doch wir brauchen mehr als Einzelkämpfer. Wir brauchen Gemeinschaften, die zusammenstehenund eine Gesellschaft, die Gerechtigkeit und wahre Solidarität lebt. Denn Armut zerstört nicht nur die Betroffenen, sondern unsere gesamte Gemeinschaft.

Trotz aller Herausforderungen dürfen wir die Hoffnung nicht verlieren. Die Frage „Ist das Leben noch lebenswert?“ ist verständlich, aber sie fordert uns heraus, neue Wege zu gehen. Der Glaube gibt uns die Kraft, nicht zu resignieren, sondern aktiv zu werden. Manchmal bedeutet das, kleine Schritte zu gehen: ein Gespräch, eine Spende oder ein Besuch. Manchmal bedeutet es eben auch, laut zu werden und Ungerechtigkeit anzuprangern. Immer aber bedeutet es, die Unsichtbaren zu sehen und ihnen einen Platz in unserer Mitte zu geben.

„Wer die Hülfe in Noth verwehret, obwohl er es könnte, wird selbigst größte Seelennoth erleiden.“ (1.1) — Martin Luther

Lassen wir uns von diesen Worten ermahnen und ermutigen. Möge Gott uns die Augen öffnen für die Unsichtbaren, uns Kraft für tätige Liebe schenken und den Mut, für Gerechtigkeit einzustehen.

Unsere Kampagne „Armut eine Stimme geben“ ist genau darauf ausgerichtet. Niemand wird ausgeschlossen und niemand bleibt unsichtbar. Mit unserer Kampagne wollen wir gerade in dieser für uns alle schwierigen Zeit hinhören, helfen wo andere vielleicht wegschauen. Wir möchten wahrnehmen, was oft unausgesprochen bleibt: die Not, aber ebenso die unerschütterliche Hoffnung jener, die von Armut betroffen sind.

Wenn Sie uns unterstützen möchten, können Sie das sehr gerne tun, sei es mit einer Geldspende oder auch mit Sachspenden für unsere Tee- und Wärmestuben in Neukölln und Königs Wusterhausen oder auch für Seniorenarbeit gegen die Einsamkeit, Familien und Alleinstehende uvm.

Anfragen per Mail an: Thomas de Vachroi armutsbeauftragter@kk-neukoelln.de

Diakoniewerk Simeon gGmbH
Kennwort: Armut eine Stimme geben
IBAN: DE90 3506 0190 0000 0300 07
BIC: GENODED1DKD
Kreditinstitut: KD-BANK (Bank für Kirche und Diakonie)
Auf Wunsch werden Spendenquittungen und Nachweise erstellt

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