Der kleine Reisebericht aus Bamberg – mit Augenzwinkern

Der kleine Reisebericht aus Bamberg – mit Augenzwinkern
Wer die wahre historische Geschichte Bambergs aus dem Jahr 1015 wirklich erleben will, muss etwas leiden, zumindest konditionell. Der Weg hinauf zum Kloster Michaelsberg wird in Reiseführern gerne malerisch als „romantischer Spaziergang“ getarnt. In der Realität entpuppt er sich als voralpines Überlebenstraining für Flachlandtiroler.
Ich starte hochmotiviert in der unteren Sandstraße zu den „hängenden“ Gärten. Unzählige Treppen weisen den Weg und alles atmet eine „tausendjährige Geschichte“, man selbst atmet nach den ersten 50 Höhenmetern schon spürbar schwerer. Der Berg zieht an. Die Oberschenkel werden spürbar dicker und die Lunge pfeift wie eine alte Dampflok aus der Epoche der Industrialisierung. Kaiser Heinrich II. hatte 1015 bei der Gründung des Klosters definitiv keine Rücksicht auf die mangelnde Fitness moderner Boulevard – Touristen genommen. Kurz vor dem „Gipfel“ erreiche ich die fast spirituelle Erleuchtung, nicht durch tiefen Glauben, sondern durch akuten Sauerstoffmangel.
Oben angekommen, klammere ich mich erst einmal keuchend an die nächste Klostermauer. Der Ausblick über Bamberg ist und bleibt aber einfach fantastisch, vorausgesetzt, der Schweißschleier in den Augen gibt den Blick frei. Ich wanke in die frisch sanierte Klosterkirche und starre an die Decke zum berühmten Himmelsgarten. Die Mönche haben dort 578 Heilkräuter (laut Informationstafeln) aufgemalt. Sehr praktisch, man sucht im Geiste direkt nach Motiven, die gegen die momentane akute Atemnot oder akuten Muskelkater helfen könnten. (Ich werde mir auf jeden Fall das Buch von Hildegard von Bingen kaufen, um das nächste Mal vorbereitet zu sein.)
Die überaus herrliche Klosteranlage hat Brände, Vandalismus und sogar Erdbeben erlebt, aber immer wieder wurde sie noch schöner und pompöser aufgebaut und es wird noch immer gebaut.
Nachdem sich der Puls also mühsam wieder in den zweistelligen Bereich eingependelt hat, beginnt der Abstieg. Und genau jetzt passiert das psychologische Phänomen. Kaum „schwebt“ man quasi von ganz alleine den Berg wieder hinunter, verwandelt sich der einsame Pfad plötzlich in die Fußgängerzone von Tokio. In der Altstadt ist kaum ein Durchkommen. Mit diebischer Freude beobachte ich ganze Busladungen von Reisegruppen, frisch gestärkt vom guten deftigen Essen, die sich ganz langsam nach oben auf den Berg schieben. Sie plappern und noch lachen sie. Da fällt mir gerade das Lied von Helene Fischer ein mit dem wunderbaren Titel „Atemlos“. Vielleicht entstand ja hier im schönen Bamberg dieser Schlagertext. Ich werde sie das nächste Mal fragen, wenn sie wieder ihr Liedchen in der Waldbühne zu Berlin trällert. Aber nun wieder zurück zum eigentlichen.
Ich beobachte die Touristen weiter und laufe mit geschwellter Brust vorbei. Sie können ja nicht ahnen was ich durchgemacht habe und was spätestens in 10 Minuten auf sie selber zukommt. Ich könnte sie ja warnen, aber ich werde mich hüten, denn jeder soll ja seine Erfahrungen selber machen.
Und mein Fazit dieser Besteigung: Der Michaelsberg ist wie die Geschichte Bambergs selbst, Atemberaubend im wahrsten Sinne des Wortes.
Thomas de Vachroi






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