Wenn das Licht im Portemonnaie erlischt.

Die Frankfurter Rundschau stellt fest, das die Menschen in Deutschland immer weniger Geld für Konsum ausgeben.
Die Menschen geben immer weniger Geld für ihren Konsum aus. Ökonomen blicken auf die nackten Zahlen, sie berechnen Kurse und sprechen von „Kaufzurückhaltung“ oder der „Sparneigung“.
Doch hinter jeder Statistik stehen Menschen. Wer in diesen Tagen durch die Straßen geht oder den Alltag in Einrichtungen wie der Tee- und Wärmestube Neukölln miterlebt, sieht die Realität hinter den Tabellen. Sie ist leise, oft schambesetzt und brennt sich tief in die Seele ein.
Warum also bleibt das Geld in der Tasche? Weil die Sorge um das Morgen die Freude am Heute auffrisst.
Es ist kein freiwilliger Verzicht, der den Einzelhandel einbrechen lässt. Es ist eine tiefe Verunsicherung, sowie die anhaltende Inflation bei Lebensmitteln, die explodierenden Mieten und die unerbittlichen Fix, – und Nebenkosten. Diese zwingen die Menschen in die Knie. Wenn am Monatsende nach Abzug von Strom, Heizung, Versicherungen und Lebensmitteln kaum noch etwas übrig bleibt, erübrigt sich allerdings die Frage nach mehr Konsum.
Es wird nicht weniger gekauft, weil man „sparen möchte“, sondern weil man gezwungenermaßen sparen muss. Jede Ausgabe wird dreimal umgedreht. Aus dem Schaufensterbummel ist längst ein banger Blick auf den Kassenbon geworden.
Die Menschen spüren es, dass die sozialen Netze immer durchlässiger werden. Berichte über wirtschaftliche Stagnation und politische Unsicherheiten sickern in die Wohnzimmer durch. Das Vertrauen in eine stabile Zukunft schwindet immer mehr. Wer Angst hat seinen Job zu verlieren oder im Alter in die Armut abzurutschen, der kauft eben keine neuen Möbel oder Kleidung. Er hortet jeden Cent als Schutzschild gegen den drohenden Absturz. Es ist eine kollektive Angststarre, die den Konsum lähmt. Einige Experten sprechen von ungewollter Nachhaltigkeit.
Konsumverzicht bedeutet im Kern aber immer auch einen Verlust an gesellschaftlicher Teilhabe. Der Verzicht auf den Kino, oder Theaterbesuch, das neue Handy oder das gemeinsame Eis mit den Kindern ist der erste Schritt in die Unsichtbarkeit. Drohende Armut trennt nicht nur, sondern sie isoliert. Diese unsichtbare Armut breitet sich mitten unter uns aus, in den Mietshäusern, in den Familien, bei den Alleinerziehenden und den Rentnerinnen und Rentnern. Die mittlerweile fast leeren Einkaufstüten sind das sichtbare Zeichen einer Gesellschaft, die droht, ihre Schwächsten aus den Augen zu verlieren.
Die Zahlen der Wirtschaftsforscher sind nur das Echo eines viel lauteren Alarms. Die Menschen im Land haben schlichtweg die Zuversicht verloren.
„Die Welt hat nie zu wenig Licht, nur zu wenige, die es weiterreichen“.
Es ist an der Zeit, dass die Politik dieses Licht wieder dorthin bringt, wo es am dunkelsten ist, nämlich in die Geldbörsen und Herzen der Menschen, die jeden Tag um ihre Existenz kämpfen.
Thomas de Vachroi
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